ABU hat Hunger und wir wollen mal wieder volltanken. Doch wo ist hier die nächste Tankstelle? Ein schwieriges Unterfangen beginnt. Denn wir sind in Benin, im Land des Tankstellensterbens. Egal wohin wir fahren, alle Tankstellen scheinen aus der selben, weit zurückliegenden Erbauungszeit zu stammen. Und alle Tankstellen haben eines gemeinsam: sie sind tot, umfunktioniert zu riesigen Schattenplätzen, kleinen Märkten oder einfach nur Müllabladeplätzen.

Dabei war das Betanken von ABU bislang ein Kinderspiel. In allen Ländern, die wir bislang bereisten, gab es in kurzen Abständen moderne Tankstellen von Shell und Total. Diese steuerten wir bevorzugt an, um ABU möglichst wenig mit verschmutztem Diesel in Kontakt zu bringen. (Hintergrund: Der Diesel in Afrika ist stark sulfurhaltig und nicht ganz ideal für moderne Einspritzdieselfahrzeuge. In dem Fall ist ein häufigerer Motorölwechsel erforderlich – so jedenfalls die Theorie.)

Doch im Norden Benins ernte ich auf die Frage nach der nächsten Total-Tankstelle nur ein müdes Lächeln. „Das gibt’s bei uns nicht“. Auf meine Beobachtung von unzähligen Total-Tanklasterkonvois auf der Strecke heißt es dann „Die sind sicher nach Burkina-Faso gefahren, zu uns fahren die nicht“. Aha. Na dann eben keine internationalen Ketten, auch egal.

Vor unserem Besuch des Pendjari-Nationalparks machen wir einen Umweg von sechs Kilometern um zur lokalen Mini-Tanke zu gelangen – ein Phänomen des wenig besiedelten Nordens, dachten wir da noch.

Doch auch auf der Rückfahrt vom Nationalpark gen Süden ist tankstellenmäßig Fehlanzeige. Stattdessen stehen tausende von Glasbehältnissen (sog. Bluzern) mit portioniertem Treibstoff am Straßenrand in der prallen Sonne. Schön langsam dämmert es uns, dass auch Benin im Sog der Treibstoffmafia ist.
image

image

Dass wir durch Nigeria mit gefüllten Reservekanistern fahren würden, wussten wir ja bereits. In Nigeria wird der Preis des Treibstoffes staatlich gestützt. Jeder Tankstellenbetreiber in Nigeria erhält den staatlich subventionierten Diesel. Doch dieser günstige Treibstoff wird dann auf schnellstem Wege ins benachbarte Ausland geschmuggelt und dort gewinnbringend zu einem viel höheren Preis verkauft. Was mit dazu führt, dass in Nigeria, Afrikas größtem erdölfördernden Land, ständig Treibstoffmangel herrscht (fehlende Raffineriekapazitäten sind der andere Grund). Im letzten November wurde die Krise so eklatant, dass Autobesitzer zwölf Stunden und länger an den Tankstellen warten mussten, um erst recht wieder keinen Sprudel zu bekommen. Nur mit Beziehungen ging da noch was.
Also werden wir alle unsere Reservekanister noch in Benin befüllen und planen, so ohne Nachtanken die 1400 km durch Nigeria zu düsen.

Nun wird uns aber deutlich, dass die Situation in Nigeria auch das Nachbarland Benin massiv beeinflusst. All dieser in Glasflaschen abgefüllte Treibstoff stammt aus Nigeria. Bei unserer Tour zum Stelzendorf Ganvié sehen wir in Abomey-Calavi die riesigen Pirogen, mit denen der Diesel über Fluss und Lagune in gelben Kanistern über die Grenze geschmuggelt wird.
image

Der Diesel in den gelben Kanistern wiederum wird im ganzen Land verteilt und fläschchenweise verkauft. Und da der Preis des Straßendiesels zehn Prozent unter jenem der staatlich preisgebundenen Tankstellen liegt, führt dies letztlich zu Benins Tankstellensterben.
image

Es ist „interessant“ zu sehen, dass ganze Wirtschaftszweige in einem Land zusammenbrechen, wenn die Politik eines Nachbarlands preisstützende Maßnahmen beschließt. Hier sehen wir die Auswirkungen sehr konkret, wiewohl solche Dominoeffekte natürlich auch in Europa vorhanden sind.
image

Die eine oder andere Tankstelle finden wir mit ausdauerndem Suchen und einigen Umwegen doch noch, denn immerhin will ja nicht jeder LKW aus der Flasche tanken. Und über den dicken Schlauch geht das Tanken an der LKW-Zapfsäule dann auch richtig zackig – Volltanken in 40 Sekunden! 🙂

Advertisements