Mosambik hat eine Straße. So richtig mit Asphalt und Schildern und ganz normalem afrikanischen Verkehrschaos. Die EN1. Sie durchzieht Mosambik vom Süden nach Norden. Alles andere sind Sand- und Lehmwege, auf denen man kaum vorankommt. Nur, ab dem Save-Fluss wollen wir die EN1 im Moment nicht mehr befahren. Ab dort geht’s nur mehr in einmal täglich startenden bewaffneten Konvois weiter, die gern mal attackiert werden. Brauchen wir nicht. Also nun?

 

Die Oppositionspartei Renamo hat sich offenbar zum Ziel gesetzt, die Infrastruktur Mosambiks zu zerstören. Renamo ist ursprünglich mit Unterstützung aus dem benachbarten Ausland entstanden: Südafrika und Rhodesien hatten Interesse an einer Destabilisierung Mosambiks. Das Angriffsziel Renamos: Krankenhäuser, Schulen und eben auch Straßen. Wobei das mit den Straßen einfach ist – es gibt von Moputo bis Beira ja nur die EN1. Nun ist der Konflikt neu aufgeflammt und die EN1 wird in den letzten Monaten wieder ständig angegriffen.

Täglich um 6 Uhr früh starten also bewaffnete Konvois in Save. Doch die Renamo kämpft gerade gegen die Staatsgewalt, nicht direkt gegen Touristen. Wir wären in so einem Konvoi sicher gefährdeter als auf eigene Faust. Also tüfteln wir an unserer Route nach Simbabwe ohne Konvoi und ohne Renamo. Abseits der Straße zur Grenze bei Espungabeira.

Bereits in Tofo fangen wir an uns umzuhören. Viele Gerüchte, niemand weiß was Genaues. In Vilanculos dann das Gleiche. Schließlich aber haben wir Glück. Beim Tauchausflug nach Bazaruto lernen wir einen französischen UNO-Mitarbeiter kennen. Er vermittelt uns seinen Kollegen, der in der Vorwoche eine alternative Route nach Simbabwe gefahren war. Ein Telefonat mit ihm macht uns sicher in unserem Plan B – entlang des südlichen Ufers des Save-Flusses und durch den Zinave-Nationalpark. Das Abenteuer hat uns wieder!

Wir füllen unsere Dieselvorräte auf und rein geht’s in die Sandpiste. Detail am Rande: unsere brandneuen hinteren Stoßdämpfer sind gebrochen. Dank der „Landrover-Experten“ in Swakopmund und Kapstadt haben wir zu kurze Dämpfer für die neu verbauten Heavy Duty Springs. Das haben die Dämpfer nicht lange mitgemacht. Vertraue keinem „Experten“…

Die richtigen Stoßdämpfer werden wir erst in Botswana bekommen. Bis dahin heißt’s Zähne zusammenbeißen und durchhalten. Sind wir schon auf Asphalt recht instabil unterwegs, so mutiert ABU auf Sand zu einem Känguru-Fahrzeug. Auf und ab wippt das gesamte Fahrzeug und schaukelt sich dabei auch noch minutenlang richtig auf. Entspannt ist anders.

Dazu ist das Kartenmaterial von Mosambik abseits „der Straße“ recht zurückhaltend. Wir folgen also den wenigen Hinweisschildern zum Nationalpark Zinave und landen irgendwann am dortigen Eingangstor. Die wachhabenden Herren wollen uns klarerweise erst mal abwimmeln. Nein, durchfahren können wir hier nicht, schon gar nicht bis Massangena. Kennen wir schon, wir bestehen drauf es trotzdem zu versuchen und gelangen auf schlechten Wegen und mit viel Federngehopse bis an den Save-Fluss.

Dort begegnen wir zwei weiteren sehr netten Nationalparks-Mitarbeitern, Edgar und seinem Kollegen, die uns ebenfalls versichern, dass es kein Durchkommen gäbe, weil die Wege zugewachsen wären. Übernachten könnten wir aber bei der Lodge am Fluss. Wir wehren zunächst ab, teure Lodge brauchen wir gar nicht.

Tatsächlich aber handelt es sich um eine leider verfallene ehemalige Lodge mit toller Lage am Fluss und wir campen kostenlos und mit funktionierender Wasserversorgung.

 

Es kommen halt nur ganz wenige Reisende in den Park (wir sind die einzigen an den beiden Tagen) und auf Wildtiere trifft man hier auch nur mit viel Glück. Wir aber genießen dort die entspannte Atmosphäre. Irgendwann soll dieser Park mit weiteren Gebieten zu einem Mega-Nationalpark zusammengeschlossen werden, der bis zum Krueger-Park reichen soll.

In Massangena wartet schon die nächste Challenge auf uns. Eine Wasserdurchfahrt durch den Save-Fluss. So manch einer wird uns jetzt wohl für unbelehrbar halten 🙂 Aber… Im Internet hatten wir vorab ja schon Fotos dieser Wasserquerung gesehen. Und nun hat es kaum geregnet, der Flusspegel sollte also nicht zu hoch sein. Sollte…

Am Fluss angekommen heißt es erst mal die richtige Stelle für die Querung finden. Die lokalen Jungs wollen uns ja gleich mal zu einer selbstgebauten Fähre führen. Wir aber suchen weiter, irgendwo muss doch diese Querungsstelle sein, an der alle Fahrzeuge so durchfahren.

Wir suchen und irren in der brütenden Mittagshitze. Die Befragung der heimischen Bevölkerung führt uns in alle Richtungen und das ach so tolle Kartenmaterial von Tracks4Africa hilft uns auch nicht weiter.

Schließlich finden wir die Stelle. Drei grunzende Hippos liegen im Wasser und die Dorfbewohner queren hier den Fluss. Allerdings…zu Fuß. Und unser Probedurchgang durch das Nass zeigt das Befürchtete – Wasser überhüfthoch. Déjà vu, also doch.

Wir werden von einigen Locals angesprochen. Es gäbe doch das Boot. Damit kommen auch Trucks aus Südafrika über den Fluss ohne dass diese entladen werden müssten.

Wir wollen ABU nicht verlieren. Durch den Fluss fahren ist ein großes Risiko. Der Untergrund scheint zwar griffiger und die Strömung nicht so stark wie in Angola, aber das Wasser ist trotzdem verdammt hoch falls wir steckenbleiben würden. Die Seilwinde könnten wir dann unter Wasser nicht verwenden.

Andererseits wirkt das „Boot“ auch nicht gerade vertrauenserweckend. Es ist ein selbst zusammengezimmertes Gefährt von dem keiner so recht weiß, warum es sich überhaupt über Wasser hält. Geschweige denn, wie viel Last es transportieren könnte. Eine schwierige Entscheidung. Unsere Wahl fällt auf das Boot. Hoffentlich war es die richtige…

Weil wir kaum mehr Meticals übrig haben, vereinbaren mit dem Floßeigner die Bezahlung mit unseren Restmünzen und zwei Flaschen Bier. Er hatte das Trum gebaut, weil vorher bei hohem Wasser die Fahrzeuge nicht über den Fluss konnten. Obwohl in Mosambik akute Dürre herrscht (El Nino lässt grüßen), ist der Wasserstand des Save auch im Moment überraschend hoch. Das Wasser dazu kommt aus – surprise, surprise: Angola 😉

Seine Burschen machen sich ans Werk, navigieren das Gefährt vor unsere Reifen. Rauf mit uns! Die Jugendlichen haben eine super Gaudi mit uns – einer darf die Schwerarbeit machen und uns mit einem Stecken über den Fluss bugsen. Und hurra, vorbei an den grunzenden Hippos schaffen wir es heile ans andere Ufer.

„Nur“ noch 200 Kilometer Hoppelpiste trennen uns jetzt von der Grenze nach Simbabwe. Durch spannende ursprüngliche Landschaft mit unglaublich herzlicher Bevölkerung. Simbabwe, wir kommen – langsam hüpfend und abseits „der Straße“.












 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements