6 Kilo Rindsfiletfleisch, 2 Kilo Faschiertes, 40 Liter Trinkwasser, 72 Dosen Bier, 8 Liter Wein, 24 Eier und Unmengen an sonstigen Lebensmitteln. ABU ist bis oben hin vollgestopft. Wir waren groß Einkaufen in den Spar- und Shoprite Supermärkten von Maun. Und auch die lokale Butchery haben wir geplündert und die besten Stücke vom Rind eingesackt. Worauf wir uns so vorbereiten?

Wir dürfen uns noch mal über lieben Besuch aus der Heimat freuen! 🙂 Gleich landen meine Schwester Melissa und ihr Freund Jeroen am hiesigen Flughafen und dann geht’s gemeinsam auf Expedition – durch den Nationalpark Moremi im Okavango-Delta über Savuti bis hinauf an den Chobe-Fluss. Mindestens acht Tage müssen wir autark sein können. Keine Einkaufs- oder Tankmöglichkeiten, kein Handynetz und ob unser Satellitentelefon wieder Empfang hat ist auch ungewiss. Nur gut, dass wir das schon in der Kalahari geübt haben und die Einkaufsliste dementsprechend „erprobt“ ist.

Zuerst aber verschaffen wir uns einen Überblick von oben – mit einer Mini-Propellermaschine sehen wir das Okavango-Delta und seine Bewohner aus der Luft.

Büffel, Elefanten, Hippos, Antilopen, Zebras und Giraffen entdecken wir aus der Höhe. Die Wege der Tiere ziehen faszinierende Spuren in die Landschaft und das Licht der untergehenden Sonne spiegelt sich in den zahlreichen Wasserflächen des Deltas.

Am Abend präsentieren wir Melissa und Jerre unseren Potjie aka Bushbaby, der seit Simbabwe bei uns intensivst im Einsatz ist. Botswana macht seinem Ruf als Rindfleischnation alle Ehre (feinstes Rindsfilet um 3 Euro das Kilo!), wir genießen das erste von vielen Lagerfeuersteaks auf dieser Expedition und betreiben interkulturellen Austausch – wir lernen Geschirrabtrocknen auf belgische Art 🙂

Am nächsten Tag geht’s los, hinein in die Deltalandschaft. Der erste Abend im Buschcamp vor dem südlichen Parkeingang beschert uns gleich mal spannende Tiersichtungen – eine ganze Herde Giraffen kommt uns besuchen und beäugt uns aufmerksam.

Auch die Nacht ist durchaus belebt – ganz nahe hören wir wie Elefanten ganze Bäume umlegen und Löwen brüllen. Und noch vor dem Frühstück jagt eine Gruppe Hyänen einen Steinwurf von unserem Camp entfernt. Wir sind angekommen im Busch!

Auf sandiger Piste und mit dem Vorsatz, die Nationalparksangestellten zu ignorieren, die uns empfehlen nur ja ausschließlich auf der Hauptpiste zu bleiben, weil wir Europäer ja nicht wüssten, wie man im Sand fährt und sowieso nur stecken bleiben würden, starten wir in den Park. Dort treffen wir gleich mal auf einen jener Europäer, die verantwortlich für diesen Ruf sind. Ein Serbe in einem 2WD Fahrzeug (er glaubt noch heute ein 4WD Auto gemietet zu haben) mit voll aufgepumpten Reifen und keinerlei Bergemitteln blockiert uns die Piste. Wir schleppen ihn zwei Mal raus, empfehlen den Reifendruck zu senken und die einfachere Hauptstrecke nach Third Bridge zu nehmen. Ob er dort jemals angekommen ist, wissen wir allerdings nicht.

Die Pistenkenntnisse beim dortigen Camp lassen auch zu wünschen übrig. „Alles überschwemmt außer der Hauptroute“ ist die Auskunft. Wir finden das merkwürdig angesichts der aktuellen Trockenzeit und finden nach ein paar Anläufen selbständig einen fast trockenen Weg zu Dead Tree Island. Wir werden nun nicht mehr nach lokalen Pistenverhältnissen fragen, die Auskünfte sind ohnehin sinnlos.

In Third Bridge übernachten wir am dortigen Campingplatz. Wie in Botswana üblich natürlich ohne irgendwelche Zäune und alle möglichen Tiere können hier theoretisch durchmarschieren. Am Vortag sei jemand am Weg zum Klo von einem Löwen angefallen worden warnen uns Südafrikaner. Seitdem gehen sie nur mehr mit Löffeln klappernd und singend aufs Häusl 😉 Wir bleiben vorsichtig und mit Licht und Tierabwehrspray bewaffnet, treffen aber auf keine Raubtiere. Dafür treibt zu Mittag ein riesiger Baboon am Camping sein Unwesen. Er schafft es sogar die schwergängigen Seitenklappen des Leihautos ratzfatz zu öffnen – da sind wir nicht so geübt darin 🙂

Die angeblich überschwemmte Gegend nördlich von Third Bridge ist herrlich, immer wieder stoßen wir auf Elefanten, Impalas, Zebras, Hippos und allerlei sonstige Tiere.

Lustigerweise sind auch geführte Safaris hier unterwegs, die kennen den trockenen Weg offenbar auch 🙂 Von einem der durchwegs sehr freundlichen Fahrer erfahren wir, dass Löwen einen Büffel gerissen haben und nun dabei sind sich den Bauch vollzuschlagen. Am Nachmittag steuern wir die Stelle an.

Die beiden Löwenmänner sind da bereits fast fertig mit Fressen und liegen schwer atmend im Schatten. Prallvoll, sie scheinen jeden Moment zu platzen. Die Beine ragen vom vollgestopften Kugelbauch abstehend in die Höhe.

Jede Regung scheint anstrengend. Irgendwie wirken sie wie ungelenke dicke Schweine, wäre da nicht das blutverschmierte Maul.

Weil Campen im Nationalpark mittlerweile recht unmäßig teuer ist und es ohnehin keine Zäune zu den angrenzenden Gebieten gibt, erkunden wir die nächsten zwei Tage die Gegend nördlich des Khwai-Flusses außerhalb des Nationalparks. Buschcampen ist wieder mal angesagt. Wir campen an einem tollen kleinen See mit Hippo- und Elefantenbesuch und erleben totale Idylle auf der Abend-Fahrt entlang des Flusses.

Leider sind Rainer und Jeroen an diesen beiden Tagen „etwas“ außer Gefecht, unsere Gäste hatten neben allerlei tollen und nützlichen Mitbringseln wie österreichischem Brot, Campari (so gut wie nicht zu kriegen in Afrika), Ersatzteilen und maßgeschneiderten Eisenplatten für die Korrektur von ABUs Schiefstellung (Danke Papa!) auch einen gemeinen grippalen Infekt im Gepäck. Mitteleuropa lässt grüßen, wir hatten doch glatt die heurige Grippesaison verpasst 😉

Einige heftige Fieberattacken und einen Sicherheits-Malaria-Schnelltest später sind wir wieder auf dem Weg in den Nationalpark, diesmal geht’s nach Savuti.

Dort treffen wir auf ein großes Löwenrudel, das gerade einen Büffel erlegt hat und nun dabei ist, die Beute aus dem ungeliebten Wasser zu zerren. Dazu muss das Teil erst mal ausreichend leichtgefressen werden. Streng nach Rangordnung, die beiden Jüngsten müssen um ihren Anteil anstehen.

Dann ist es aber soweit. Einer der Racker verschwindet ganz im Büffelbauch während das andere auf dem Fleischkoloss thront.

Am Chobe-Fluss schließlich spielt sich Tieridylle am Wasser ab. Wir sehen unzählige Elefanten, Hippos, Büffel und am Abend ein Löwenrudel, das sich anschickt, zwei Büffel zu verfolgen. Der hohe Stand des Chobe und die hereinbrechende Dämmerung verhindern allerdings, dass wir rausfinden, ob die Gruppe letztlich Erfolg hat und welches der beiden Hornviecher sie sich dazu aussuchen.

Fast heile kommen wir schließlich in Kasane und damit in der Zivilisation an. Wider aller Vorhersagen mussten wir den von Melissa und Jeroen gemieteten Nissan kein einziges Mal bergen. Er hat nun zwar einige Kratzer mehr und ein paar Zierkappen weniger, aber Jerre hat dazu den richtigen Spruch auf Lager: „Don’t be gentle, it’s a rental“.

Und so können wir am Pool der Chobe River Lodge anstoßen – auf eine sehr erfolgreiche Expedition durch herrliche Naturlandschaft – Auf ABU und Konijn!

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