Bereits von weitem hört man sie. Sieht den weißen Rauch aufsteigen, in dem sich ein Regenbogen spiegelt. Die Victoria-Falls. Seit Jahrhunderten faszinieren die gewaltigen Fälle ihre Besucher, seit David Livingstone sie als erster Europäer „entdeckt“ hat. „Mosi-Oa-Tunya“, der donnernde Rauch.

Auf einer Breite von 1,7 Kilometern brechen die Wassermassen herab und stürzen über 100 Meter in die Tiefe einer schmalen Schlucht. Von Simbabwe und Sambia sind die Fälle zu sehen und wir wollen gemeinsam mit Melissa und Jeroen als krönenden Abschluss ihres zweiwöchigen Besuchs beide Seiten erkunden.

Nach einem problemlosen aber teuren Grenzübertritt von Botswana quartieren wir uns im simbabwischen Örtchen Victoria Falls ein und starten zu Fuß für einen Tagesbesuch nach Sambia. Dazu steuern wir die über hundert Jahre alte Eisenbahn- (und mittlerweile auch Auto-) Brücke an, die die beiden Länder verbindet und zwecks guter Aussicht der Zugpassagiere so nah wie möglich an den Fällen errichtet wurde.

Von der Grenzbrücke aus erhaschen wir schon erste Blicke auf die Fälle und geraten von weitem in ihren Sprühregen. Wir befinden uns am Ende der Regenzeit – die Wassermassen sind derzeit am höchsten und eindrucksvollsten.

Klitschnass durch und durch werden wir, als wir uns an Knife Point der ewigen Wasserfallwand nähern. Während Melissa, Jerre und ich unsere Regenjacken auf Dichtigkeit testen (Ergebnis: Wassersäule ungenügend, wir versuchen daher zumindest Pässe und Dollar im Trockenen zu halten), bevorzugt Rainer den Surfer-Style (à la „was man nicht anhat, kann auch nicht nass werden“).

Immerhin ist der Oberlauf der Fälle wassertechnisch ruhig und wir können in der Sonne unsere Sachen wieder trocknen.

Dann wandern wir an aufdringlichen Baboons vorbei (einer schmeisst sich doch glatt mit vollem Gewicht auf meinen Rucksack!!!) noch einige Höhenmeter hinunter zum „Boiling Pot“ wo der Strudel des Sambesi nach den Fällen in alle Richtungen wirbelt.

Den Hauptteil der Fälle aber sehen wir am nächsten Tag von der simbabwischen Seite aus, von wo sich die besten Ausblicke auf die Wassermassen bieten.

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Zahlreiche Regenbogen bilden sich in der aufsteigenden Gischt, die in der Mittagssonne ein Vielfaches als die Höhe eigentlichen Fälle in den Himmel ragt. Klar, dass wir auch hier wieder durch und durch nass werden!

Highlight soll es aber sein, die Fälle aus der Höhe zu erleben. Schon Livingstone berichtete, dass wohl Engel in ihrem Flug solch schöne Ausblicke betrachten würden. Das wollen wir sehen und genehmigen uns je den Luxus einer Runde im Microlight.

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Weil nur zwei Maschinen gleichzeitig fliegen, bekommen Melissa und ich den Vortritt und Jeroen und Rainer folgen in Runde zwei.

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Ehe man sich versieht, ist das Gefährt in der Luft. Hatte stärkerer Wind schon unseren Start etwas verzögert, so macht er nun den Flug selbst auch spannend. „It’s not dangerous, it’s just adventurous“ meint der Pilot und wir gleiten mit einigen kleinen Böen-Auf-und-Abs entlang des Sambesi auf die Victoria-Falls zu.

Schon der Fluss selbst ist aus dieser Perspektive toll zu betrachten. Doch über die Schlucht zu kreisen, in die die Wassermassen hinunterstürzen, ist ein derart überwältigendes Gefühl, dass es sich einfach nicht beschreiben lässt. Unglaublich, unglaublich schön!

Die Sonne spiegelt sich an der Wasserkante, Regenbogen bilden sich und man kann fast den aufsteigenden Rauch spüren. Ein wirklich traumhaftes Naturspektakel!

Selber Fotos zu machen, ist übrigens nicht erlaubt. Wird man dabei erwischt, wird der Flug abgebrochen. Offiziell aus Sicherheitsgründen, aber weil diese Regel auch für den Heli-Flug gelten soll, nehmen wir mal an, es geht vielmehr darum, die von der Flugfirma geschossenen Fotos um geschmalzene 20 USD (pro Person) verkaufen zu können. Eine Herausforderung für den nervenstarken Spezialagenten samt GoPro Spionagekamera 😉

Es stimmt, Livingstones Engerl haben einen wirklich tollen Ausblick! 🙂










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