Von weitem werden beide Hände hochgerissen. Mit einem breiten Lächeln winkt man uns zu. Unglaublich freundliche Menschen. Wir sind wieder unterwegs im ländlichen Simbabwe. Spannend ist, dass wir den herzlichsten Menschen gerade in jenen Ländern begegnen, die unter einem schwierigen System leben – Nigeria, DR Kongo und eben auch Simbabwe. Und wir sind am Weg, die „wilde“ Seite Simbabwes zu erkunden – in den Nationalparks südlich und östlich des Karibasees.

Zum Matusadona Nationalpark führt eine mehr als dreistündige abenteuerliche Piste. Als wir am Nationalparkstor ankommen, sind wir überzeugt, dass dieses nicht besetzt sein könne, denn die Strecke wirkt so, als sei seit Ewigkeiten niemand mehr dort gefahren.

Doch, Überraschung, ein freundlicher Nationalparks-Angestellter betreut den massiven Schranken und im Registrierungsbuch lesen wir, dass einer der letzten Besucher sogar aus meinem Geburtsbezirk stammt und mit dortigem Kennzeichen unterwegs war. Allerdings – fünf Fahrzeuge in einem knappen halben Jahr zeugt nicht unbedingt von hoher Besucherfrequenz.

Den Park und dortigen Campingplatz am Ufer des Karibasees haben wir folglich ganz für uns alleine, ebenso wie den Sonnenuntergang mit Hippo- und Elefantenuntermalung. Ehemals gab es hier viele Grillstände. Heute ist alles im Verfall begriffen. Es wirkt wie wenn ein Fluch auf Simbabwe liegen würde.


Wir aber profitieren von den geringen Touristenzahlen. Nicht, dass die Eintritts- und Campingpreise angepasst werden würden, nein, die bleiben wie von oberster Stelle vorgegeben und als ob Vollbetrieb herrschen würde. Aber der am Sambesi gelegene Nationalpark Mana Pools war in den guten Zeiten Simbabwes so beliebt, dass man sich angeblich am ersten Tag der Vorreservierungsperiode um drei Uhr Nachts vor dem Reservierungsbüro anstellen musste um einen Platz zu ergattern(!?!).

Wir hingegen können nun auch ohne Reservierung vor Ort einen der Plätze am Sambesi-Ufer bekommen und genießen die entspannte Atmosphäre im Park.

Wir campen bei Hippogegrunze, verteidigen ABU gegen eine Meute von Vervet Monkeys, treffen auf Unzahlen von Elefanten mit süßen Jungtieren und beobachten die Jagdstrategie zweier Löwinnen, die zugunsten der Impala-Herde doch nicht aufgeht.

Dann lernen wir zwei weiße Simbabwer kennen. Ihre Namen wollen wir nicht nennen, denn in Simbabwe werden Gespräche mit Einheimischen schnell mal als Spionage und das Schreiben darüber als illegaler Journalismus geahndet. Und auch wenn wir selber bereits außer Landes sind wollen wir das sympathische Paar nicht in Probleme bringen.

Die beiden sind rüstige Rentner, leben bereits ihr ganzes Leben in Simbabwe und haben viel gesehen. Die koloniale Zeit als das Land noch Rhodesien hieß, die Veränderungen nach der Unabhängigkeit, die Vertreibungen der weißen Farmer. Heute leben die beiden in der Hauptstadt und werden gerade einmal geduldet. Ihre Kinder sind alle ausgewandert, nach Südafrika, Europa und USA. Doch Simbabwe ist ihre Heimat. Also versuchen sie nicht groß aufzufallen und übermäßige Kontakte mit der Staatsmacht zu meiden.

Die Farm, die sie ehemals betrieben hatten, ist ein Schatten seiner selbst. Alles wurde demontiert – Fenster, Türen, Bewässerungsanlagen, Maschinen. Ja, selbst die Bäume wurden allesamt gefällt. Nun liegt das Anwesen brach, dem Verfall preisgegeben. Jene, die sich die Farm gekrallt hatten, haben kein Interesse oder Wissen sie zu bewirtschaften. Simbabwe, ehemals Kornkammer des südlichen Afrikas, muss heute fast alle Lebensmittel importieren.

Dabei hatte die Regentschaft Mugabes so positiv begonnen. Die gesamte Bevölkerung hatte Zugang zu Schulbildung und Krankenversorgung und gilt auch heute noch als hoch ausgebildet im südlichen Afrika. Doch dann kamen die unkontrollierten Enteigungen und die Jahre des Niederganges und der Hyper-Inflation. Heute bezahlt man in Simbabwe mit dem US-Dollar und das macht alles sehr teuer. Im Moment wird sogar wieder ein bevorstehender Abwärtstrend befürchtet, wie wir von vielen Seiten hören.

Auch die Tierwelt Zimbabwes ist bedroht. Allein in Mana Pools war ehemals unter jedem Baum noch ein Rhino zu finden und riesige Elefanten- und Büffelherden durchwanderten den Park. Rhinos gibt es nun überhaupt keine mehr und Elefantenbullen sehen wir nur ganz wenige. Niemand weiß genaues, doch an der Korruption in den obersten Ebenen zweifelt niemand. (Immerhin „verdient“ ein Minister in Simbabwe angeblich um die 50.000 USD – im Monat und vor Spesen!) Man munkelt, dass sogar schon Cyanid in das Wasser geleitet wurde, um die Elefantenbullen effektiv und lautlos zu töten und an das begehrte Elfenbein zu kommen.

Und so bleibt uns nach unglaublich tollen drei Wochen ein trauriger Nachgeschmack. Simbabwe, wunderschönes Land, wann wirst du nur deinen Fluch wieder los?

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