„One stop shop“ heißts an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia. Dauern tut es trotzdem lang. Und teuer ist es auch. Carbon Tax, Versicherung, Road Tax und eine Community Levy sind zu löhnen. Vom Visum ganz zu schweigen. Doch dann sind wir drin, in Sambia. Diesmal komplett inklusive ABU, denn für die Victoria-Falls haben wir ja nur einen kleinen Fußgänger-Ausflug in das Land gemacht.

Und gleich fallen uns die Unterschiede zum entspannten Simbabwe auf. Sambia wirkt extrem aufstrebend, überall wird gebaut und es gibt riesige landwirtschaftliche Flächen. Dazu stressiger Verkehr auf den Straßen und die Locals winken uns nicht mehr herzlich zu.

Außerdem, so lesen wir in den Reisemitteilungen des deutschen Auswärtigen Amtes, stehen in Sambia in Kürze Präsidentschafts-, Parlaments- und Lokalwahlen an und es sind Ausschreitungen zu erwarten.

Menschenansammlungen sollten daher vermieden werden. Die engmaschigen Wahlplakate lassen keinen Zweifel aufkommen, dass die Wahlen hier ein heißes Thema sind (und der eine oder andere möge angesichts eines der Wahlslogans so seine Déjà-Vue-Assoziationen haben…). Kein Problem für uns, wir wollen in Lusaka ohnehin nur unseren Kühlschrank auffüllen und dann Richtung Nationalpark weiterfahren.

Ganz so schnell geht’s dann aber auch wieder nicht, wir müssen uns noch durch die Stadt stauen, Außenringautobahn – Fehlanzeige. Brütende Hitze, Verkehrsstau, ewiges Angequatscht-Werden und dann noch die Fenster als Barriere gegen flinke Langfinger fast geschlossen halten (zur Erinnerung – wir haben keine Klima!) zehren etwas an unserer Substanz, doch dann haben wir es scheinbar geschafft. Wir sind auf der Great Eastern Road und damit auf dem Weg aus der Stadt. 

Denkste. Sicher zwanzig schwer bewaffnete Militärs blockieren Schulter an Schulter die mehrspurige Straße und leiten alle um. Irgendwohin. Plan hat keiner wohin die Umleitung führen soll und das Chaos in den Nebenstraßen ist vorprogrammiert. Schließlich biegen manche wieder Richtung Hauptstraße ab, wir folgen. Uiii, auch hier ist die Straße noch gesperrt. Blockierende Militärs gibt’s aber keine und unsere Vorfahrer düsen weiter, wir hintennach. Wild gestikulierend deuten uns Passanten umzukehren, aber wir wollen endlich raus aus der Stadt.

Dann sehen wir, wofür die Umleitung gedacht war. Rote Kappen, Fahnen werden geschwenkt. Wir befinden uns mitten in einer Parteiveranstaltung des Kandidaten HH. Also genau das, was wir laut Auswärtigem Amt meiden sollten.

Nur, jetzt gibt es auch kein Zurück mehr. Wir erregen große Aufmerksamkeit unter den Parteianhängern, die Stimmung wirkt aufgeheizt. Bloß weg hier. Der rettende Kreisverkehr ist bereits in Sichtweite. Dass wir wegen der Absperrungen auf der falschen (also zu Hause richtigen) Fahrspur unterwegs sind, stört hier ohnehin niemanden. Einbiegen in den chaotischen Kreisverkehr und – geschafft!

Entspannte Stimmung dagegen am Weg zum Nationalpark Luangwa. Wir nehmen eine selten befahrene idyllische Strecke nördlich von Petauke, auf der wir ausschließlich Fahrrädern und Mopeds begegnen und uns den Weg durch zwei Meter hohes Buschgras erobern müssen. Hier finden wir ein tolles Buschcamp am Luangwa-Fluss, der die Grenze zum Nationalpark bildet.

Am Abend besuchen uns neugierige Giraffen und Elefanten und in der Nacht hören wir Löwen brüllen. Und wieder mal Elefanten, die Bäume umlegen. Das ruft uns in Erinnerung, was man in Gegenwart von Elefanten auf GAR KEINEN FALL machen soll – Zitrusfrüchte mit sich führen! Elefanten, die Zitronen oder Orangen riechen, würden ganze Autos zerlegen um an die Früchte zu kommen. In Botswana haben wir diesbezüglich extrem aufgepasst und die Sundowner-Zitronen in doppelten Plastiksäcken unter Verschluss gehalten. Nur hier haben wir eben erst süße Mandarinen am Straßenrand gekauft und nicht an die Elefantenfreunde gedacht. Herrje! Schnellstens raus aus den Federn und die Früchte einsacken ist also die Devise. Die Nacht ist damit gerettet – und ABUs Unversehrtheit auch 😉

Am Luangwa-Fluss dürfen wir dann während der nächsten Tage noch zahlreiche Hippos, Krokodile und sonstiges Getier beobachten und traumhafte Sonnenuntergänge genießen.

Sogar einen ganz privaten Nightdrive können wir hier machen, weil das Gebiet südlich des Flusses nicht mehr zum Nationalpark zählt, aber die Tiere nun mal diesen Unterschied nicht machen. Unsere Spezialstrahler am Dachträger aka „Affenlichter“ kommen hier zur seltenen Ehre eines Einsatzes und wir stöbern mit 100W-Scheinwerfern im Dunkel der Nacht unter anderem mehrere Herden von Impalas und eine von Löwen belauerte Büffelherde auf.

Wir hören, dass es weiter nördlich in Sambia noch unendlich viele Plätze mit toller unberührter Natur gäbe, die jedenfalls auch eine Erkundung wert wären. Wir aber müssen wählen und entscheiden uns entlang des Großen Grabenbruchs in Malawi nach Norden zu fahren.

Und so stressig Sambia für uns begonnen hat, so entspannt verlassen wir es schließlich wieder!

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