Sollten Moskitonetze verboten werden? In Malawi, einem stark malariaverseuchten Land? „Natürlich nicht, was für eine dumme Frage“, wäre wohl die erste Reaktion. Was aber, wenn sie die Zukunft des ganzen Landes gefährden?

Hilfsorganisationen haben in Malawi Moskitonetze verteilt. Die bettelarme Bevölkerung sollte diese über den Betten montieren um nicht der fiesen Stechmücke, die Malaria bevorzugt in der Nacht überträgt, ausgeliefert zu sein.

Doch diese eigentlich sehr sinnvolle und gut gemeinte Aktion hat sich komplett ins Gegenteil verkehrt. Denn die Menschen in Malawi benutzen die Moskitonetze statt zur Malariaprävention nun zum Fischen. Der Malawisee ist zwar riesig, doch dass das keine Zukunft hat, sollte der lokalen Bevölkerung im Ansatz klar sein. Auch die allerkleinsten Fische erwischt es bei einer Maschenbreite von 2 Millimetern und das gibt der nächsten Fischgeneration absolut keine Chance. 2,5-3 Zoll (also ca. das 25-fache) ist eigentlich das gesetzliche Mindestmaß, aber kleine Fische machen getrocknet und gemahlen auch irgendwie satt und so ist „Nachhaltigkeit“ hier leider nur ein Fremdwort.

Wieder andere riegeln mit ihren Netzen den gesamten Zufluss zur Chia Lagune ab. An dieser Totalbarriere kommt kein schwimmendes Lebewesen mehr vorbei.

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Der Malawisee gilt mittlerweile als komplett überfischt. Hatten wir uns darauf gefreut, hier wieder mal leckeren Fisch essen zu können, so werden wir diesbezüglich enttäuscht. Große Fische kommen uns nicht unter und auch bei unseren Kayak-Schnorchelausflügen sehen wir bunte kleine Fischchen nur im Süden bei Cape McLear. Andernorts ist kaum noch was über vom legendären Cichlid-Reichtum des riesigen Sees.

Dieser leidet aber nicht nur unter der Überfischung, sondern auch unter der Verschmutzung durch die doch sehr zahlreichen Uferbewohner. Alle waschen ihre Töpfe, Kleidung und sich selber im See. Direkt und mit viel Seifenschaum. Ohne Filterfunktion durch den Boden verschmutzt das alles sofort und unmittelbar den See, der doch das wichtigste Kapital Malawis ist. Wir beobachten die Waschungen ständig sobald wir in der Nähe eines Dorfes sind.

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Kein Wunder dass sich in Dorfnähe der Bilharzie-Wurm pudelwohl fühlt. Der wichtigste Fressfeind des Schnecken-Zwischenwirts des Wurms ist eine bestimmte Barschart, doch die gibt’s im See mittlerweile kaum noch – sehr zur Freude des Wurms. Uns selber vergeht dabei die Badelust (soll heißen: uns graust ausnahmsweise ein bisserl 🙂 ) und wir wagen uns nur mehr an einsamen Stränden und Inseln ins kalte Nass.

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Malawi verlassen wir ratlos. Das Land wirkt enorm fruchtbar, mit tollen grünen Hügeln, auf denen Terrassenwirtschaft betrieben wird.

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Ein holländischer Camp-Betreiber bestätigt uns aus eigener Erfahrung, dass auf dem Boden um den Malawisee vieles ohne Mühe und ganz von alleine wachse. Auch ohne Regen, weil der Wasserspiegel des Sees recht knapp unter dem Boden sei. Man brauche nur ein paar Samen in den Boden werfen, alles sprieße und gedeihe. Doch die lokale Bevölkerung sei nicht gewillt (fähig?), Obst und Gemüse anzubauen.

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Ein pensionierter englischer Priester erzählt uns dann noch von einem Projekt das er unterstützt hatte – den Aufbau einer Hühnerfarm. Als einige der Hühner krank wurden, kam halt niemand auf die Idee irgendwie zu handeln. Wie zum Beispiel den im Dorf vorhandenen (!) Veterinär zu konsultieren. Bis alle Hühner tot waren. Und das war dann auch das Ende der Hühnerfarm. Wir können nur hoffen, dass dies nicht auch das Schicksal des Sees ist.

Vor einigen Monaten wurde übrigens wegen befürchteter Dürre und Lebensmittelknappheit der Notstand in Malawi ausgerufen. Nachbarländer wie das landwirtschaftlich stark aufstrebende Sambia kamen dann zur Hilfe und stellten dem Land ihren eigenen Not-Vorrat zur Verfügung.

Auf Schritt und Tritt begegnen wir Initiativen und Logos der EU, USA und zahlreicher NGOs, die dem Land mit allen möglichen Förderprogrammen helfen wollen. Wie etwa mit dem Verteilen von Moskitonetzen, die dann doch leider nie den Weg in die Schlafräume der Bevölkerung finden. Moskitonetze, die absurderweise ihre Zukunft gefährden, die der Kinder Malawis.

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