Prolog:

„Er kommt – Knight Rider – Ein Auto, ein Computer, ein Mann. Knight Rider – Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht.“

kitt defender 2

Als Kind der 70er gab es im Jahr 1985 und darauffolgend fernsehtechnisch nichts Spannenderes als David Hasselhoff in seinem Knight Rider seine Fernsehzeit zu widmen. Ich denke es gibt kaum einen Jungen in diesem Alter, der dieser Patschen-Kino-Kultur nicht erlegen ist.

Warum auch immer – Hirnforscher werden mir das vielleicht erklären können – haben sich manche Szenen des „reitenden Ritters“ von vor mittlerweile über 30 Jahren (!!!) tiefer in die Synapsen eingebrannt als es der Name des Kellners schafft, der sich vor einer Stunde vorgestellt hat und an unserer Pizza arbeitet.

Glen A. Larsen schenkte uns dieses Stück Fernsehgeschichte nach „Kampfstern Galactica“ oder Klassikern wie „Ein Colt für alle Fälle“ – ich kann mich noch lebhaft an die Nachbesprechung jeder Folge am nächsten Schultag erinnern. Die Grenzlinie zwischen Genie und Gehirnamputation ist schmal; für damalige Zeiten auf jeden Fall Gesprächsthema.

Hintergrundinformation für nicht ganz so Informierte:

Eine ganz „wichtige“ Frage beim Zusammentreffen von K.I.T.T. (Knight Industries Two Thousend) und seinem bösartigen Vorgänger K.A.R.R. in Kombination mit dem LKW-Monster GOLIATH war: „Was ist, wenn zwei unendlich harte Materialien aufeinandertreffen?“

Dies konnte leider nie abschließend geklärt werden, weil K.I.T.T. auf Betreiben eines skrupellosen Schurken keine unendlich harte Molekularversiegelung mehr hatte und deshalb zerstört wurde. Zumindest so, oder ähnlich, hat es sich damals zugetragen. Uns soll es im schönen Tansania leider ähnlich ergehen…

Rollenverteilung:

Das gegen uns kämpfende LKW Monster Goliath ist in unserem Fall eine tansanische Straßenwalze. Der Schurke ist ein total übermüdeter Bauarbeiter. Und K.I.T.T. – das ist leider unser ABU.

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Hauptakt:

Unser bis dahin als unzerstörbar geltender „Defender“ hat trotz diverser Afrika-Schutz-Anbauten (wie Zusatzstoßstangen) als Molekularversiegelung nur ein paar Mikrometer Lack über der sonst verletzlichen Aluminiumhaut bekommen. Sein Fahrer, fast, aber nicht ganz mit dem Film-Fahrgeschick von Michael Knight ausgestattet, kann weder durch einen Sprung über die plötzlich zurückfahrende Walze (durch Einsatz des Turbo Boost) noch durch Fahren auf zwei Rädern (Sky Mode) oder irgendein anderes großartiges Fahrmanöver oder einen Laser-Raketen-Trick einen Zusammenstoß vermeiden. Unsere Defender hat leider kein Emergency Breaking System wie K.I.T.T.

Die böse, böse Straßenwalze küsst uns daher und kurz im Schock glauben wir, es hätte wohl nur unsere Heck-Stoßstange erwischt. Leider nicht – der „Verbrecher“ schlitzt uns auf wie der Wirt eine Dosensuppe auf einer teuren Skihütte. Bei allem Unglück freuen wir uns aber, dass ABU uns nicht selbständig über den Schleudersitz in den Busch schießt.

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Unser Widerpart hat weder Führerschein noch Fahrzeugpapiere, sitzt seit mehr als acht Stunden hinter einer hämmernden Riesenmaschine (kein Silent Mode möglich), seine einzige Motivation zu dieser Tageszeit: Pause – Nahrung – Pause. Rückwärtsschauen beim Rückwärtsfahren steht nicht in seinem Arbeitsvertrag und damit wird das auch nicht gemacht.

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Alles weitere läuft afrikanisch: Nachdem es gekracht hat sind alle furchtbar betroffen, der Unfalllenker isst aber erst mal Ugali mit Fisch bevor er sich mit uns weiter befasst (weil er vor lauter Kohldampf fast umfällt).

Gestärkt von Eiweiß und Kohlenhydraten bestellt er seinen Chef aus dem Baucamp her. Freundlicherweise muss man sagen, dass wir mehrfach zum Mitessen eingeladen werden – in unserem Ärger aber keinen Appetit verspüren – die afrikanische Gastfreundschaft ist aber auch hier in Ansätzen vorhanden.

Rainer und Chaos

Der Capo braucht ungewöhnlich lange zum Ort des Geschehens – er muss ja bis zum Unfallort noch ein paar „Pole-Pole“ / „Langsam-Langsam“ Warnschilder aufstellen (mit noch tropfendem Lack), die dann sicher immer schon dort waren und wir nur übersehen haben, weil wir so schnell waren 😉 (Vermutlich waren wir auf der Schotterpiste im Super Persuit Mode unterwegs!) Er hat zufällig genau 100.000 Tansanische Schilling in der Brusttasche – damit könne man hier im Land alles reparieren – und mehr kann er so und so nicht entscheiden und überhaupt … sein Chef sitze 150 Kilometer entfernt… blablabla…

Leider könnte uns auch Devon Miles und die „Foundation für Recht und Verfassung“ nicht bei unseren verzwickten Buschverhandlungen helfen.

Devon Miles Doppelbild

Die Geschichte des Fahrers „Er hat uns einfach nicht gesehen…“ macht uns ganz eindeutig zum mindestens 50% Mitschuldigen und da wären 100.000 ja schon fast zu viel. Außerdem greift noch die Spezialregel: Von einer Baumaschine muss man immer 100 Meter Abstand halten und hupen.

Nach kurzem, aber zähem Verhandeln müssen wir uns mit einer Entschädigung im Wert einer Kiste Bier zufrieden geben – immerhin besser als gar nichts – und besser Kopfweh davon als von weiterem sinnlosen Hin und Her. Uns ist klar, dass dies ohnehin zu nichts führt außer dass die Nacht näher kommt.

Statt im schwarzen Sattelschlepper Service Truck Semi von K.I.T.T. (erinnert ihr euch an die Schachfigur auf der Seite?) steht uns im heutigen Camp (welches pro Nacht mehr kostet als unsere Entschädigung) ein schattiger Mangobaum und eine Holzgarnitur zur Verfügung. Statt dass Dr. Bonnie Barstow, das Boxenluder von K.I.T.T., alles wieder gut macht, darf ich selber ran an Bohrmaschine, Hammer, Schraubzwinge, Holzpackerl und Co. Zum Abkühlen der Gemüter baden wir im wunderschönen Tanganjika-See.

Bonnie mit Holztisch

Wir zerlegen den verbogenen ABU so gut wie es geht, klopfen alles gerade, verschrauben statt den englischen Nieten alles miteinander und danach wird fürs eigene Wohlbefinden noch ein bisserl drüberlackiert. Das fahrende ABU-Feldlazarett bewährt sich hier wieder mal und Improvisieren ist in Afrika ohnehin immer gefragt.

4er

Das Ergebnis macht uns zwar nicht happy, die Weiterreise war aber nie gefährdet. Statt Babyhaut kleidet ABU an dieser Stelle nun Wellblech. An der getrübten Stimmung arbeiten wir mit Bier. Weitere Kosmetik folgt Zuhause, mehr macht hier im Busch keinen Sinn.

Resümee:

Eines muss man sich bei solch einer Reise bewusst sein: Egal was passiert – der „Muzungu“ / „Der Weiße“ ist bei einem Unfall immer der Depp – man bekommt auch bei 100%iger Schuld des Gegners im Idealfall nur ein „Sorry Sir“. Es erinnert stark an meinen Unfall vor einigen Jahren in China: „Wäre ich nicht in China gewesen, wäre der Unfall nicht passiert ;)“ – so ähnlich ist die Logik auch in dieser Ecke der Welt. Alle afrikanischen Versicherungen sind nur dazu gedacht, bei Verkehrskontrollen den Redefluss am Laufen zu halten. Wenn man das nicht akzeptiert, dann darf man maximal nach Kärnten auf Urlaub fahren.

Wir hoffen es bleibt die einzige größere Wunde von ABU, die wir nach unserer Rückkehr auslecken – und vielleicht gilt ja auch hier der alte Sager: „Was dich nicht umbringt, macht dich härter!“

Und ab sofort gibt es nur mehr ABU-Bilder von vorne!

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