Sanft schlagen die Wellen des glasklaren Wassers an den roten Strand. In der Ferne beobachten wir Fischer mit swahilischen Dhaus und können die Hügel der DR Kongo erkennen. Wir folgen weiter dem Ostafrikanischen Grabenbruch und der Tanganyikasee, der nach dem sibirischen Baikalsee zweittiefste See der Welt und Afrikas größtes Süßwasserreservoir, ist eines seiner echten Juwele!

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Auf der Länge dieses Sees verkehrt ein über hundert Jahre altes Schiff deutscher Produktion. Die Liemba, ehemals „Graf von Götzen“. Sie stammt aus der Zeit als Tansania noch deutsche Kolonie war. Während des ersten Weltkrieges versenkte man das Kriegsschiff gut konserviert im See, um es nicht in die Hände der Gegner fallen zu lassen. Dank deutscher Ingenieurskunst konnten die Belgier acht Jahre später das Schiff aber wieder heben und in Einsatz auf dem Tanganyikasee bringen, wo sie bis heute brav ihren Dienst verrichtet.

Wir sehen diese alte Dame bei ihrem Zwischenstopp in Kipili, doch sie erinnert uns eher an einen Seelenverkäufer denn an ein nostalgisches Dampfschiff. Deutschland hatte zwar anlässlich ihres runden Geburtstags die Generalrenovierung der Liemba gesponsert, doch diese wurde (entgegen anderslautender deutscher Medienberichte) bislang noch nicht angegangen. Nächstes Jahr, vielleicht.

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Hier wollen wir auch einen Nationalpark nördlich von Kigoma besuchen, der nur über den See zugänglich ist. Das bedeutet raus aus den Federn in der finsteren Nacht, denn das Boot startet bereits vor Sonnenaufgang. Gemeinsam mit Wolfgang und Inge aus Deutschland und zwei Australiern haben wir ein klappriges Fischerboot gechartert, das uns zum Park und zurück bringen soll.

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Mehr als zwei Stunden sind wir bereits im Kriechgang des einmotorigen Kutters und vorbei an gut beladenen Wassertaxis auf dem wunderschönen See unterwegs, da kommen wir an. Gombe Stream. In dem kleinsten Nationalpark Tansanias ist die Wirkungsstätte einer weiteren alten Dame: Jane Goodall. Sie hat hier 1960 mit ihren Forschungen über unsere nächsten Verwandten begonnen. Mit ihren mittlerweile 82 Jahren kommt sie immer noch nach Gombe Stream um die Schimpansen zu studieren und am liebsten streift sie trotz hohen Alters ganz alleine im Wald umher.

An dieser Stelle müssen wir über die Geschichte von Sheila, der Schimpansen-Expertin aus der Afi Mountains Ranch in Nigeria schmunzeln. Sie ist Goodall in den USA begegnet. Auf deren Frage, ob sie denn ein Foto mit ihr haben möchte, reagierte Sheila ganz sheila-like mit einem „No thanks, but may I have a hug?“

Das Englisch unseres Guides verstehen wir kaum. In noch keinem Land in Afrika haben wir die Kenntnisse der Amtssprache so schlecht wie unter der Bevölkerung Tansanias erlebt. Doch seine Hauptaufgabe ist es ja, uns zu den Schimpansen zu führen. Das sollte hoffentlich auch mit brüchigem Englisch funktionieren.

Einen Vogellaut nachahmend versucht er Kontakt zum Tracker aufzunehmen. Doch sein Ruf wird nicht erwidert. Also weiter. Der Weg ist einfach, doch es ist unglaublich schwül. Und nicht und nicht soll der Kontakt zum Tracker gelingen.

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Dazu verstehen wir von unserem Guide, dass es nicht einfach sei, die Schimpansen in der Trockenzeit zu finden. In der Regenzeit würden sie in der großen Gruppe zusammenbleiben, doch die aktuelle Nahrungsmittelknappheit im Wald treibt sie dazu sich in kleinste Grüppchen aufzusplitten, die dann natürlich viel schwerer aufzuspüren sind. Manche Besucher hätten in den letzten Tagen daher auch gar keine Tiere gesehen. Wir verzagen nur kurz und hoffen, uns nicht in die Reihe dieser unglücklichen Tropfe einreihen zu müssen…

Dann, nach einem unerwartet kurzen Marsch haben wir aber bereits Glück. Wir stoßen auf Schimpansen, noch dazu wahre Berühmtheiten des Parks. Es sind die Zwillinge Golden und Glitter, deren Mutter Gremlin der älteste Schimpanse und damit die alte Dame von Gombe Stream ist.

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Dass Schimpansenzwillinge in der freien Natur überhaupt überleben können, ist eine echte Rarität. Normalerweise kann eine Schimpansenmutter nur ein Junges aufziehen. Im Fall von Golden und Glitter ist das Zwillingswunder auch nur geglückt, weil eine ältere Schwester der beiden Gremlin in der Mutterrolle unterstützt hatte.

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Gombe-Schimpansen sind als Savannenbewohner wesentlich kleiner als jene Tiere, die wir im tropischen Regenwald der Elfenbeinküste aufgespürt haben. Die Damen haben jeweils ein Junges bei sich. Die Gruppe ist recht entspannt und wir können sie in aller Ruhe bei der Körperpflege beobachten.

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Dann aber ist Schluss mit Hygiene und die Gruppe marschiert an uns vorbei, nicht ohne uns ausgiebig zu beobachten. Wir dürfen folgen.

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Nun ist Baumkraxeln angesagt. Wir beobachten vom Boden, immer auf der Hut, nicht Teil des morgendlichen Toilettganges der Gruppe zu werden 😉

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Plötzlich setzt einer jener unglaublichen Tropenregenfälle ein. Es schüttet als hätte man ein Schaffel Wasser über uns ergossen. Wir hatten seit Südafrika keinen Regen mehr und eigentlich ist hier in Tansania ja tiefste Trockenzeit, doch irgendwie scheint bei uns Tropenregen zum Schimpansen-Tracking einfach dazuzugehören 🙂

Wir machen das Beste daraus, warten den Regen im Trockenen bei einem Bier ab und dann geht’s zurück über den glasklaren See. Uns bleibt zum Abschluss nur, den drei alten Damen vom Tanganyikasee noch ein langes Leben zu wünschen!

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