Uganda ist bekannt für Idi Amin, Berggorillas und dafür, die Quelle des Weißen Nils zu beheimaten. Ersterer ist glücklicherweise Geschichte, die Gorillas hatten wir bereits besucht, doch letzteres wollen wir sehen. Und der längste Fluss Afrikas wiederum ist bekannt für? Richtig, riiiiesige Krokodile, die auch schon mal Zebras, Hippos, Löwen oder dem Menschen gefährlich werden können.

Wir sind zurück in Uganda. Wir hatten das Land bereits vor einigen Jahren im Zuge einer Rucksackreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln besucht und es hat uns so beeindruckt, dass uns auch unsere aktuelle Route nördlich des Viktoriasees führen sollte.   

Der Bunyonyi-See ist schön wie beim letzten Mal, so abenteuerlich-exotisch wie bei unserer ersten Afrikareise kommt uns das alles aber nicht mehr vor, im Gegenteil – Uganda ist ja beinahe ein Massentourismusland aus unserer heutigen Sicht 🙂

Auf der anderen Seite des Sees befindet sich ein riesiges Resort, wo Overlander-Trucks einkehren. Das ist eine Art organisiertes Busreiseunternehmen in Afrika, das Leute, die nicht individuell reisen können oder wollen, in umgebauten LKWs durch die Gegend kutschiert. Viele Leute auf einem Haufen müssen dann natürlich alle gleichzeitig aufs Häusl oder unter die Dusche. Das und der übliche Lärmpegel um solche Trucks lässt uns Camps vermeiden, in denen diese Trosse einkehren. Hinter dem Laub blickt sogar das Rot eines Rotels („Rollendes Hotel“) hervor, das im Truck auch die Schlafplätze in kleinen Kojen inkludiert und dessen deutsche Passagiere weit über den See hinweg zu hören sind. 🙂 Der Bunyonyi-See ist erfrischend kühl, aber toll zum Schwimmen. Krokodile würden hier keine Gefahr für uns darstellen, versichert man uns.

Wir folgen weiter den unzähligen Seen des großen Grabenbruchs. Unser nächstes Ziel, den Edwardsee erreichen wir über abenteuerliche Pisten. Doch endlich gibt’s hier wieder frischen Fisch direkt vom Fischer und gleich daneben baden Elefanten im Wasser, von denen sogar die sonst recht angriffslustigen Hippos ehrfürchtig Abstand halten. Im See leben auch zahlreiche große Nilkrokodile, hören wir. Wir verzichten hier angesichts dieser Großwildversammlung aufs Baden 😉

Die Region ist übersät von Vulkankratern und nicht wenige beherbergen tolle Kraterseen, die beliebte Wasserstellen für die Tiere darstellen. An einem dieser Kraterseen übernachten wir und treffen auf eine riesige Gruppe von Volontären, die unglaublich viel Geld dafür bezahlen, zwei Wochen in einer ugandischen Schule als Lehrer arbeiten zu dürfen.

Wir passieren das zweite Mal den Äquator (wieder ohne Sekt) und sind zurück auf der Nordhalbkugel in die Rwenzori-Berge unterwegs, wo das Trinkwasser Ugandas herkommt. Bergsteigen in dem Gebirge mit zahlreichen 5000ern ist ziemlich kosten- und zeitintensiv, wir begnügen uns daher in die zumeist in Wolken liegenden (320 Regentage pro Jahr!) Mondberge zu schauen und das klare Bergwasser von unten zu genießen.

Im Albertsee landet der Nil, der aus dem Viktoriasee daherkommt und er ist der Beginn jenes Weißen Nils, der schließlich nach unglaublich langer Reise im Mittelmeer landet.

Die Region ist ein Naturschutzgebiet, aber dennoch bedroht. Denn auch um den Albertsee wurden  riesige Ölvorkommen entdeckt. Es heißt, Uganda wolle die Fehler von Nigeria und anderen erdölfördernden Staaten in Afrika vermeiden, wo das Öl zum Fluch und nicht zum Schatz der Bevölkerung wurde. Außerdem wolle man das Naturschutzgebiet mit einer um-die-Ecke-Öl-Bohrung erhalten. Große Worte, hoffentlich ist auch was dran. Chinesen bauen jedenfalls schon emsig an der derweil noch nicht existierenden Straße – wohl auch nicht ganz umsonst…

Im am Albertsee gelegenen Nationalpark Murchinson Falls wird ABU kurzfristig zum Afrikaner. Weil Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen unglaubliche 150 USD pro Tag im Park zahlen sollen, fahren wir hier unter ugandischer Flagge 😉 (An dieser Stelle – danke Otto für den Tipp!)

Die Landschaft ist ganz anders als im südlichen Afrika und wir sehen zahlreiche neue Antilopenarten und wahnsinnig viele der vom Aussterben bedrohten Rothschild-Giraffen.

An den Murchinson-Fällen zwängt sich der Nil durch einen sechs Meter schmalen Spalt und steht dementsprechend unter Druck. Angeblich das Spannendste, was dem Nil auf seiner unglaublich langen Reise nach Norden so passiert. Hier werden wir aber auch das erste Mal auf unserer Reise von wirklich aggressiven Tsetse-Fliegen verfolgt, die aussehen (und schmerzen) wie unsere Rossbremsen, aber in Afrika die gefährliche Schlafkrankheit übertragen können.

Wir machen uns noch auf den Weg zum Anfang des Nils am Viktoriasee und genießen entspannte Tage in einer unglaublich tollen Lodge am Nilufer, die einen Spezialtarif für uns Langzeitreisende anbietet.

Schnappi haben wir in Uganda schließlich doch nicht gesehen. Aber auch so war uns die grüne „Perle Afrikas“ jedenfalls eine zweite Reise wert!

 

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